Reduzierung der Kinderarbeit

Was wurde von uns beurteilt?

Das Programm Reduction of Worst Forms of Child Labour in Textile Supply Chains (ROWCL), das sich der Reduzierung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit in Textillieferketten verschrieben hat, wurde von Oktober 2011 bis Juni 2015 in vier Distrikten von Tamil Nadu, Indien, eingeführt.

In dieser Region führen Sumangali-Systeme in Textilfabriken zu einer modernen Form der Sklaverei und Kinderarbeit, bei der weibliche Arbeitskräfte unterbezahlt und einzelne Arbeiter in ihrer Freizügigkeit eingeschränkt werden. Diese sind einer besonderen Gefahr durch schutzlose Ausbeutung ausgesetzt.

Ziel von ROWCL war der Schutz von Mädchen und jungen Frauen vor Zwangsarbeit durch die Sumangali-Systeme im indischen Staat Tamil Nadu.

Die Initiative wurde von Terre des hommes (Tdh) Deutschland, und dem Community Awareness Research Education Trust (Care-T) mit finanzieller Unterstützung durch die C&A Foundation umgesetzt.

Die Konzentration auf für die Opfer relevante Prioritäten, inklusive der Aktivitäten zur Einkommenssicherung, ist entscheidend für eine erfolgreiche Rehabilitation.”

Tamil Nadu, Indien

Ergebnisse

  • Schutz und Rehabilitation von Sumangali-Opfern: Sehr positive Ergebnisse wurden hinsichtlich der Wiederherstellung der physischen und mentalen Gesundheit der Opfer erzielt. Der Gesundheitszustand verbesserte sich in nahezu 100 % der Fälle. Die Verminderung der Anzahl der für Zwangsarbeit rekrutierten Mädchen ist in einem größeren Umfang schwierig zu messen, in manchen der besuchten Gemeinden jedoch trug ROWCL zu einer berichteten Verminderung um 50 % bei.
  • Zugang zu Bildung und alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten: Schulbildung sowie die Vermittlung von Fähigkeiten waren wichtige Faktoren für den Schutz von Familien gegen Sumangali-Systeme. Die Kampagne zur Schulanmeldung richtete sich an mehr als 12.500 Personen in 92 Ortschaften. Insgesamt wurden 845 Mädchen wieder in den Schulbesuch eingegliedert und/oder erhielten Ausbildungsunterstützung. Die Erfolgsquoten junger Frauen, die eine Berufsausbildung absolvierten und ein Einkommen erzielten, waren hoch - annähernd 100 % der Begünstigten.
  • Vernetzung mit Wohlfahrtsmaßnahmen der Regierung: Synergien mit Unterstützungssystemen der Regierung (für Kinder und ihre Familien) wurden eingegangen, um den rechtebasierten Ansatz der Initiative zu verstärken. Anträge zur wirtschaftlichen Unterstützung von 1.999 Familien wurden bearbeitet. Viele dieser Anträge waren zum Zeitpunkt der Beurteilung aufgrund von Ineffiziez und Korruption in den Regierungssystemen noch anhängig.

Erkenntnisse

ROWCL baute ein umfassendes, allgemeines Verständnis in Bezug auf Kinderarbeit auf und äußerte Bedenken hinsichtlich der dringendsten Probleme in Verbindung mit verborgener Kinderarbeit in Tamil Nadus Textilfabriken. Darüber hinaus ist eine schnellstmögliche Bekämpfung der Ursachen von Sumangali, nämlich die Armut und Gefährdung ausgegrenzter Migrantenfamilien, erforderlich.

Welche Erkenntnisse haben wir gewonnen? 

  • Die Fokussierung auf für die Opfer relevante Prioritäten, inklusive der Aktivitäten zur Einkommenssicherung, ist entscheidend für eine erfolgreiche Rehabilitation. Dies lässt sich am besten durch die Prüfung mehrerer Rehabilitationsmöglichkeiten erreichen, die auf Opferinteressen, Motivation und Qualifikation basieren;
  • Es ist wichtig, durch ein übergreifendes Konzept unter Beteiligung mehrerer Interessenvertreter Synergien zwischen Partnern zu erzeugen, indem Regierungsstellen mit einem Auftrag zum Schutz von Kindern einbezogen und Kooperationen mit ähnlichen und ergänzenden Programmen eingegangen werden;
  • Die Integration kostenloser Dienstleistungen und Mehrwerte zur Rehabilitation der Opfer ist unverzichtbar, zum Beispiel durch ein Beratungsangebot, Bildungsmöglichkeiten für Lebenskompetenz, psychosoziale Betreuung und Behandlungsempfehlungen;
  • Sensibilisierung für und Zugang zu staatlichen Leistungen unterstützt Opfer bei Rechtsansprüchen auf finanzielle und materielle Unterstützung zur Minderung der Belastung für gefährdete Einzelpersonen und Familien;
  • Die Leistungsfähigkeit lokaler Implementierungspartner fördert den Erfolg durch fundierte Kompetenz, gute Managementstrukturen, geschultes Personal und Überwachungsmechanismen für eine effiziente Implementierung.

Schlussfolgerung der Beurteilung: Ausbildung und Fähigkeitsentwicklung waren effektive Instrumente im Kampf gegen Zwangsarbeit. Die Initiative wollte nachhaltige Ergebnisse für die Begünstigten sowie Gemeinden erreichen und zwar durch eine Veränderung der Einstellung und des Verhaltens der Begünstigten, ebenso wie durch Kompetenzaufbau und den Aufbau von Kapazitäten auf Seiten der Interessenvertreter.

Den vollständigen Bericht in englischer Sprache können Sie hier herunterladen.