Vom Boykott zum Boom? Eine sozio-ökologische Karte der Bekleidungsindustrie von Myanmar 2016

Die C&A Foundation beauftragte Impactt - ein auf ethischen Handel, Menschenrechte und Arbeitsstandards spezialisiertes Beratungsunternehmen - die sozio-ökologischen Auswirkungen des dramatischen Wachstums der Bekleidungsindustrie in Myanmar zu untersuchen.

Seit 2011 hat eine Reihe politischer und wirtschaftlicher Reformen zur Lockerung der EU- wie auch der US-Sanktionen gegen Myanmar geführt. In der Folge stieg das Exportvolumen der Bekleidungsindustrie von 538 Millionen USD 2011 auf 1,46 Milliarden USD 2015 an.


Während dieser Zeit hat sich die Anzahl an Arbeitsplätzen und Fabriken mehr als verdoppelt, und bis 2020 werden ein Exportvolumen der Branche von 8 bis 10 Milliarden USD sowie eine Steigerung Zahl der Arbeitsplätze auf 1.500.000 erwartet.

Trotz der grundsätzlich als positiv angesehenen Entwicklung bestehen Bedenken bezüglich niedriger Löhne, extrem langen Arbeitszeiten, Kinderarbeit und der durch den Sektor verursachten Umweltauswirkungen, insbesondere vor dem Hintergrund der Wachstumsgeschwindigkeit.

Die Studie beleuchtete sowohl die größten Probleme, von denen Mitarbeiter der Bekleidungsindustrie betroffen sind, als auch die Frage, wie die durch den Sektor verursachten Umweltauswirkungen reduziert werden können.

Ergebnisse

Die Studie wurde gemäß des Rechte-Rahmenwerks der Vereinten Nationen (in englischer Sprache) beurteilt.

Die folgenden Probleme wurden als rot eingestuft

  • Das Recht auf freie und sichere Beschäftigung, insbesondere in Bezug auf die vertragsrechtliche Umsetzung und Kinderarbeit
  • Das Recht auf faire Bezahlung
  • Das Recht, Gewerkschaften zu gründen und diesen beizutreten

Die folgenden Probleme wurden als Orange eingestuft – sie zeigen Raum für Verbesserungen an

  • Unterkunft und Freizeit
  • Sichere Arbeitsbedingungen
  • Arbeit ohne Diskriminierung

Bei Sekundärforschungen und Gesprächen mit Interessenvertretern wurden umweltbezogene Probleme in den Bereichen Wasser und Abwasser identifiziert, die als rot klassifiziert werden müssen, während die Bereiche Feststoffabfall und Energie als orange eingestuft wurden.

Erkenntnisse

Der Bericht liefert eine Reihe von Empfehlungen für private sowie Unternehmens- und öffentliche Geldgeber. Hierzu gehören:

 

  • Unterstützung der Myanmar Garment Manufacturers Association (MGMA) bei der Entwicklung einer Datenbank zur Erhöhung der Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit der Branche
  • Behandlung der Fragen zu Geschlecht, Belästigungen und Kompetenzaufbau 
  • Durchführung von Studien zur Aufdeckung von Kinderarbeit und Vorschläge, wie Abhilfe geschaffen werden kann
  • Unterstützung bei der Entwicklung eines Programms zur Erkennung von Fähigkeiten, um die Kompetenzen von Arbeitern, Transparenz und Freiheit zu unterstützen
  • Unterstützung von Umwelt-Arbeitsgruppen zur Stärkung und Erhaltung des Engagements.

Der Bericht gibt eine Reihe von Empfehlungen für private, Unternehmens- und öffentliche Geldgeber, inklusive Maßnahmen zur Erhöhung der Transparenz innerhalb der Branche mit einem Fokus auf Geschlechter-, Befähigungs- und weitere Probleme.

C&A begann 2016 mit der Unterstützung von Programmen in Myanmar und sucht nach weiteren Möglichkeiten zur Partnerschaft in strategischen Bereichen der Selbstbestimmung (empowerment) von Arbeitnehmern und Transparenz innerhalb der Bekleidungsindustrie von Myanmar.

Den vollständigen Bericht in englischer Sprache finden Sie hier.