Hand in Hand für eine bessere Modebranche

 Ich wurde in São Paulo geboren und bin das Nesthäkchen von vier Geschwistern. Ich wuchs in erster Linie mit den Erziehungswerten von Freiheit, Bildung und Charakter auf. Meine Mutter war immer sehr präsent. Sie war sehr gastfreundlich und bei mir Zuhause waren immer viele Menschen. Sie war Friseurin und arbeitete auch als Haushaltshilfe. Ich bin die Tochter einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters, mit dem ich wenig Kontakt hatte, und bis zu meinem 12. Lebensjahr hatte ich Schwierigkeiten zu begreifen, dass ich “schwarz” war, denn meine Mutter und meine Großmutter wuchsen nach dem Abbild der Weißen auf. Ich habe meine Haare immer geglättet und Zeit gebraucht, bis ich es natürlich gelassen habe.

Näherinnen zu helfen eine Marke aufzubauen, ihre Arbeit in ein Geschäft zu verwandeln und sie weiterzubilden, damit sie in ihrem Leben selbständiger werden, ist überwältigend - Eliana Cristina da Consolação

 

Erst mit 13 Jahren, als ich das Wohnviertel gewechselt und neue Freunde gefunden hatte, lernte ich die Schwarzenbewegung und Malcolm X. kennen und entdeckte: „Es gibt tatsächlich Schwarze“. Vorher hatte mich das keiner gelehrt. 

Mein Kontakt mit der Modewelt entstand durch eine meiner Schwestern. Sie arbeitete als Näherin und brachte mir immer Kleidung mit. Ich war immer sehr gut gekleidet. Mit 18 Jahren hatte ich meine erste Arbeitsstelle in einem Unternehmen für Herrenmode. Ich begann als Hilfskraft im Versand, zählte Hemden und sortierte Kisten. Fünf Monate später wurde ich befördert und kam in den Vertrieb, in dem ich 12 Jahre tätig war. Im Alter von 31 Jahren trat ich in die Universität für Betriebswirtschaft ein und belegte gleichzeitig Kurse über Modegeschichte und -produktion. Ich wollte mehr über die Welt erfahren, in der ich arbeitete. Als ich jenes erste Unternehmen verließ, wechselte ich zu einem Büro, das Marken vertrat, dort blieb ich von 2011 bis 2013, bis ich für einen Zeitvertrag von sechs Monaten zu C&A als Wirtschaftsanalytikerin gerufen wurde. Nachdem der Vertrag endete, war ich fast ein Jahr arbeitslos, bevor ich in ein Unternehmen aus der Lebensmittelbranche eintrat. Aber diese Welt hatte nichts mit mir zu tun. Ich wechselte immer mein Aussehen. Ich bin ein Chamäleon: manchmal kam ich mit einem rasierten Kopf, dann färbte ich mein Haar blond, ich hatte viel Black Power. Viele Menschen hat das befremdet. 

 

Zurück zu C&A, eine gute Entscheidung 

2017 bat man mich, zu C&A zurückzukehren und das war das Beste, was mir passiert ist. Das Unternehmen bemüht sich sehr um Vielfalt und berücksichtigt Frauen, Schwarze, Immigranten und die LGBTQ+ Gemeinschaft. Und das ist sehr wichtig für mich. Ich weiß nicht, ob ich heute, in 2019, an einem Ort arbeiten könnte, der sich nicht um diese Themen kümmert. Meiner Meinung nach sind Vielfalt und Sichtbarkeit von Bedeutung: Ich habe eine 16-jährige Tochter namens Marcela, und ich lege Wert darauf, diesen Prinzipien zu folgen. 

Bei meiner Rückkehr zu C&A lernte ich die C&A Foundation kennen und habe ich mich für das Freiwilligenprogramm interessiert. Dort schreiben sich die Partner ein, um an Aktionen und Projekten teilzunehmen, die mit Partnerinstitutionen durchgeführt werden. Diese sind in der Modebranche tätig, um Ausbildung und Selbstständigkeit zu verbessern und die Gemeinschaften zu stärken, ihre eigenen Einkünfte zu verwalten. Beim Fashion for Good Festival haben wir beispielsweise einen Markt aufgebaut, bei dem soziale Organisationen, welche die Mode als eine Kraft für das Gute nutzen, ihre Arbeiten ausstellen. Die freiwilligen Mitarbeiter helfen sowohl bei dem Aufbau der Stände als auch bei dem Verkauf. Bei einer anderen Aktion haben wir eine Reform im Atelier Trans Sol gefördert, eine Schneiderwerkstatt des Kollektivs Trans Sol, um die Arbeitsbedingungen der unterstützten Personen zu verbessern. Im gemeinsamen Austausch haben wir die Projekte der Gemeinschaften verbessert, in Bezug auf die Arbeitsstruktur und Ausbildung, sowie die Entwicklung des Geschäftes, wie es bereits bei Weberinnen aus Vale do Jequitinhonha (MG) geschah – für sie wurde ein Lager eröffnet. 

 

30 Frauen und ein Business 

Die bedeutendste Aktion war für mich diejenige, die wir bei dem Frauenverband in  Paraisópolis durchgeführt haben. Die Näherinnen haben Taschen aus Stoffresten produziert. Im Verlauf der Zusammenkünfte haben wir sie bei der Gründung einer Marke unterstützt und sie konnten die Aktivität in ein Geschäft umwandeln. Wir begaben uns mit einem Team von Schneidern dorthin. Dieses vermittelte die technischen Kenntnisse, um sie bei der Suche von Fabriken, den Stoffen und der Anzahl der Tasche, die sie für die Markteinführung der Marke benötigten, zu unterstützen. Als ich mit jeder der 30 Frauen sprach, sah ich, dass fast alle den Traum hatten, ihr eigenes Geschäft zu haben und selbst etwas in Angriff zu nehmen. Ich habe am Tag der Veranstaltung die Logistik koordiniert. Sie selbst waren die Modelle und präsentierten sich mit den von ihnen hergestellten Taschen. 

Die Zusammenkünfte waren für mich sehr bereichernd. Die Freude eines Menschen bei etwas zu sehen, bei dem man selbst geholfen hat, ist sensationell. Zu sehen, wie diese Frauen ihre Träume verwirklichen und mehr über ihr Handwerk lernen, war toll. Ich wollte ihnen Freiheit und Hoffnung bringen und zu jeder sagen ‚du kannst es’. Ich wollte, dass dieses Gefühl auf ihr Leben übergeht. Ich fühlte mich gewaltig, indem ich diesen Frauen meine Befähigung zur Selbstbestimmung vermittelte. Es war eine kleine Aktion, aber irgendwie waren sie alle berührt, und wir haben etwas Wichtiges angefangen. Ich habe viel Dankbarkeit erhalten und mich sehr privilegiert gefühlt, dort zu sein. Dieses Erlebnis gab mir die Kraft und die Struktur, um meine eigenen Schwierigkeiten zu überwinden.” 

Ich wollte ihnen Freiheit und Hoffnung bringen und zu jeder von ihnen sagen ‚du kannst es’. Ich wollte, dass dieses Gefühl auf ihr Leben übergeht.

 

Der obige Text gehört zu einer Reihe mit Profilen, die in der Zeitschrift Marie Claire Brasil veröffentlicht wurden, in Partnerschaft mit der C&A Foundation. Klicken Sie hier, um die Originalversion zu lesen. 

 


Tielen
São Paulo, Brazil