Bericht fordert nationale Unfallversicherung

 

Ein neuer Bericht der Universität von Sussex mit dem Titel Workers’ Right to Compensation after Garment Factory Disasters: Making Rights a Reality (Arbeitnehmerrechte auf Entschädigung nach Katastrophen in Bekleidungsfabriken: Umsetzung von Rechten in der Realität) ruft zu dringend erforderlichen Veränderungen auf, um die Entschädigung von Arbeitnehmern rechtlich abzusichern, statt diese in Form einer Wohlfahrtsleistung zu gewähren.

Auch fünf Jahre nach dem Einsturz der Rana Plaza Bekleidungsfabrik sind die Ansprüche der Opfer auf Entschädigung für Todesfälle und Verletzungen in vielen Ländern von freiwilligen Spenden aufgrund des von den Medien ausgeübten Drucks abhängig.

Ein neuer, von der C&A Foundation in Auftrag gegebener und von der Expertin für Arbeitsgesundheit und -sicherheit Dr. Rebecca Prentice verfasster Bericht vergleicht die Systeme für Entschädigungszahlungen an verletzte Arbeiter und Hinterbliebene von Todesopfern der jüngsten Katastrophen in den Bekleidungsfabriken von Ali Enterprises, Tazreen und Rana Plaza und wertet diese aus. Der Bericht ruft zur Einführung und Stärkung nationaler Arbeitsunfallversicherungs-Systeme auf, die in vielen Bekleidung produzierenden Ländern noch immer fehlen.

Darüber hinaus enthält der Bericht praktische Empfehlungen zur Gewährleistung der Rechte von Arbeitnehmern auf faire, zeitnahe und konsistente Entschädigungszahlungen innerhalb der globalen Bekleidungsindustrie. Dr. Rebecca Prentice über den Bericht: "Entschädigungen für arbeitsbedingte Unfälle oder Todesfälle stellen einen wichtigen Bestandteil des Arbeitsrechts dar, der den Opfern von Katastrophen in Bekleidungsfabriken häufig verweigert wird. Dieser Bericht fordert eine nationale Arbeitsunfallversicherung in Bekleidung produzierenden Ländern und bietet praktische Empfehlungen für die Industrie, Regierungen sowie Arbeitsrechtsaktivisten. Wenn diese Bemühungen erfolglos bleiben, leiden die betroffenen Arbeitnehmer zusätzlich. Daher müssen globale Bekleidungsunternehmen jetzt mit Interessenvertretern der Industrie zusammenarbeiten, um gerechte und systematische Entschädigungssysteme für die Arbeiter sowie ihre Angehörigen zu entwickeln und zu finanzieren.

Dr. Mojtaba Kazazi, Executive Commissioner für die Entschädigungssysteme von Rana Plaza und Tazreen, sagte: “Dieser Bericht verdeutlicht die materiellen Probleme dreier umfangreicher und komplexer Entschädigungsprogramme und bietet eine Vorlage für mögliche vergleichbare Situationen. Ich begrüße den positiven Ton sowie den Ansatz des Berichts und stimme den Schlussfolgerungen zu.”

In ähnlicher Weise kommentierte Ben Vanpeperstraete, Lobby and Advocacy Coordinator der Clean Clothes Campaign den Bericht: "Dieser Bericht zeigt deutlich, wie wichtig ein neues Modell zur Sicherstellung des Rechts auf Entschädigungszahlung für die Einkommensverluste von Arbeitern nach Katastrophen innerhalb der Lieferkette ist. Er betont die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller Interessenverteter, um geeignete Lösungen zur Abhilfe zu entwickeln, insbesondere jedoch die Rolle der Marken bei der Finanzierung. Gleichzeitig demonstriert er, wie einzelne Systeme zu einer strukturierteren nationalen Arbeitsunfallversicherung in Bekleidung produzierenden Ländern führen können und müssen, wodurch ebenfalls weniger bekannte Fälle abgedeckt wären. Während der vergangenen fünf Jahre sind viele der Arbeiter in Bangladesch durch das Netz des Systems gefallen - eine Überbrückungslösung ist notwendig, um die Lücke zwischen diesen Einzelfällen und der Einführung eines nationalen Systems zu schließen."

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Globale Bekleidungsunternehmen müssen jetzt mit Interessenvertretern der Industrie zusammenarbeiten, um gerechte und systematische Entschädigungssysteme für die Arbeiter sowie ihre Angehörigen zu entwickeln und zu finanzieren.

Expertin für die Gesundheit und Sicherheit von Arbeitnehmern, Dr. Rebecca Prentice

 

Die wichtigsten Inhalte des Berichts umfassen:

- Verletzte Arbeiter und die Familien arbeitsbedingter Todesopfer haben einen Rechtsanspruch auf Entschädigungszahlungen, nicht lediglich in Form von Wohlfahrtsleistungen.

- Die ILO-Konvention Nr. 121 enthält einen international anerkannten Standard für die Erbringung von Entschädigungsleistungen für Arbeiter und Familien, die von Fabrikkatastrophen betroffen sind. Diese Entschädigungen sollten idealerweise mithilfe eines nationalen Arbeitsunfallversicherungs-Systems geleistet werden.

- In Abwesenheit eines solchen Systems demonstrieren Rana Plaza Arrangement, Tazreen Claims Administration Trust und Ali Enterprises Compensation Arrangement, dass es möglich ist, ein freiwilliges rechtebasiertes Multi-Stakeholder-Entschädigungssystem nach einer Fabrikkatastrophe im Bekleidungssektor zu implementieren.

- Jedoch beinhalten solche nachträglich implementierten Systeme einen Widerspruch: während die Zuwendungen basierend auf international anerkannten Entschädigungsrechten für Arbeitnehmer berechnet wird, erfolgt die Finanzierung zur Wahrung dieser Rechte mithilfe freiwilliger Spenden.

- Regierungen Bekleidung produzierender Länder, globale Bekleidungsunternehmen, Arbeitsrechtsgruppen sowie Arbeitgeberverbände sollten die durch die jüngsten Entschädigungssysteme gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um nachhaltige, umfassende und rechtebasierte nationale Systeme für eine Arbeitsunfallversicherung gemäß ILO-Standards zu entwickeln.

- So lange keine nationalen Systeme zur Arbeitsunfallversicherung in Kraft sind, können Lieferanten auf private Unfallversicherungen zurückgreifen.

- Unter den bedauernswerten Umständen, dass ein Unglück in einer Bekleidungsfabrik geschieht, während keine Arbeitsunfallversicherung greift, sollten nachträglich implementierte Entschädigungssysteme einige Leitprinzipien beachten: ein Einzelkonzept, rechtebasierte Zuwendungen, Berücksichtigung nationaler Souveränität, Multi-Stakeholder-Kooperation, freiwillige Spenden, Interaktion mit den Opfern und Transparenz.

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