Tagebücher von Bekleidungsarbeitern enthüllen Probleme

Ein neuartiges Forschungsprojekt, das von Microfinance Opportunities (MFO) in Partnerschaft mit Fashion Revolution und der C&A Foundation geleitet wird, liefert die bisher umfassendsten Erkenntnisse über das Leben und die Arbeitsbedingungen von Mitarbeiterinnen der Bekleidungsindustrie in Bangladesch, Kambodscha und Indien.

Die heute veröffentlichten Berichte decken sich mit der Darstellung von Fashion Focus: das fundamentale Recht auf einen existenzsichernden Lohn im Europäischen Parlament, mit Kommentaren von MFO Executive Director, Guy Stuart: “Die Tagebücher zeichnen ein dynamisches Bild des Alltagslebens in der Bekleidungsindustrie arbeitender Frauen: ihr regelmäßiges Einkommen, ihre Ausgaben und wie sie den Höhen und Tiefen des Lebens begegnen. Es sind Geschichten über die Erduldung einer schwierigen Kombination aus geringen Löhnen und wirtschaftlicher Unsicherheit.”

Über 12 Monate hinweg besuchten Forscher 540 Arbeiterinnen (180 pro Land) zu Hause, um zu erfahren, was sie verdienen, wie sie ihren Alltag verbringen und unter welchen Bedingungen sie arbeiten.

Sumi, eine junge Witwe aus Bangladesch war eine von Tausenden Bekleidungsarbeiterinnen, die im Dezember 2016 gegen niedrige Löhne und hohe Mieten in Ashulia protestierten. Sie begann in der Bekleidungsindustrie zu arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen, erhielt jedoch kurz darauf die Diagnose, dass sie an Krebs erkrankt war. Mit einem nur geringem Einkommen, um Miete und medizinische Kosten zu decken, verbrauchte sie in kurzer Zeit ihre gesamten Ersparnisse zur Deckung der Behandlungskosten und war gezwungen, sich zu verschulden. “Wir haben uns nie beschwert in unserer Fabrik, obwohl wir weniger Vorteile hatten als die Arbeiterinnen in anderen Fabriken. Wir dachten, sie würden [durch Protest] die Löhne etwas anheben.

Sumi

Die Berichte betonen, dass sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen in der Bekleidungsindustrie in den verschiedenen Ländern erheblich unterscheiden:

  • Von den drei in unsere Studie einbezogenen Ländern hatten die Frauen in Bangladesch die niedrigsten Stundenlöhne - in etwa die Hälfte dessen, was die Frauen in den anderen beiden Ländern verdienten. Dennoch waren die Daten in den anderen Ländern in Bezug auf Gundlohn und die Bezahlung von Mehrarbeit ähnlich undurchsichtig. Im Durchschnitt arbeiteten die Frauen 60 Stunden wöchentlich und verdienten pro Stunde 28 Taka (das Äquivalent zu 0,95 USD Kaufkraftparität). Sie verdienten 64 Prozent der Zeit weniger als den Mindeststundenlohn und es gab signifikante Hinweise darauf, dass sie umso weniger verdienten, je mehr sie arbeiteten. Außerhalb des Arbeitsbereichs kontrollierten Männer den Verdienst, der für den Grundbedarf wie beispielsweise Nahrungsmittel und Miete ausgegeben wurde und verbesserten die Lebensqualität eines Haushalts nur selten.
  • Die Arbeiterinnen in Kambodscha leisteten Mehrarbeit, um ihre Einkommen zu erhöhen, erhielten jedoch in vielen Fällen nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Lohn für diese Stunden. Im Durchschnitt arbeiteten die Frauen 48 Stunden wöchentlich und verdienten pro Stunde 3.500 Riel (das Äquivalent zu 2,53 USD Kaufkraftparität). Obwohl sie den Mindestlohn verdienten und ihr Einkommen durch Mehrarbeit ergänzten, waren die meisten Arbeiterinnen finanziellen Belastungen ausgesetzt, wodurch sie zu bestimmten Zeiten des Jahres nur eingeschränkten Zugang zu Qualitäts-Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung hatten.
  • Indische Arbeiterinnen - beispielsweise Mitarbeiterinnen in exportorientierten Fabriken im Südwesten Bangalores - verdienten üblicherweise den gesetzlichen Mindestlohn oder mehr und zahlten in eine Rentenversicherung sowie ein staatliches Versicherungsprogramm ein. Im Durchschnitt arbeiteten die Frauen 46 Stunden wöchentlich und verdienten pro Stunde 39,68 Rupien (das Äquivalent zu 2,27 USD Kaufkraftparität). Sie waren häufig verbalem Missbrauch durch ihre Vorgesetzten ausgesetzt und stark vom Einkommen ihrer Ehemänner oder anderer Haushaltsmitglieder abhängig, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können, lebten jedoch im Vergleich zu Arbeiterinnen in Bangladesch oder Kambodscha komfortabler.

“Durch ihre Geschichten konnten wir Verhaltensmuster innerhalb der Länder sowie im Vergleich zwischen den Ländern identifizieren. Dies sollten Marken bei der Wahl des Produktionsortes für ihre Kleidung über ihre Margen hinaus berücksichtigen. Ihre Entscheidungen haben einen realen und bedeutenden Einfluss auf das Leben dieser Frauen und ihrer Familien”, kommentiert Eric Noggle, Research Director, MFO.

Die aus den Projekten gewonnenen Erkenntnisse sind ein effektives Hilfsmittel für Arbeiterinnen, Fabriken, Marken und Regierungen, positive Entwicklungen in den Zielländern zu beeinflussen und zu nutzen, da viele von ihnen weiterhin Kleidung aus Fabriken beziehen, die Arbeitskräfte beschäftigen, deren Einkommen zur Existenzsicherung nicht ausreicht. Dies ist eine Gelegenheit für wichtige globale Interessenvertreter, zusammenzuarbeiten und einen systemischen Wandel in der Bekleidungsindustrie herbeizuführen.

Um den vollständigen Bericht zu lesen, besuchen Sie bitte: http://workerdiaries.org/garme...

Klicken Sie hier, um die Pressemitteilung herunterzuladen.