Was einen Anreiz für nachhaltige Mode schafft: Erkenntnisse anderer Unternehmer

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Schätzungen zufolge arbeiten gegenwärtig 75 Millionen Menschen in der Bekleidungsindustrie. Eine Zahl, die sich innerhalb der vergangenen 15 Jahre nahezu vervierfacht hat. Mit diesem exponentiellen Wachstum sind die nicht versteckten Kosten für Mode ebenfalls gestiegen. Doch während Kritiker sagen, dass eine Änderung der unternehmerischen Praxis schlicht nicht profitabel ist, beweisen soziale Innovatoren, dass es kreative und praktikable Wege gibt, Fabriken und Marken zu einem Umdenken zu motivieren.

In einem Bericht von Ashoka und der C&A Foundation aus dem Jahr 2016 wurde festgestellt, dass finanzielle Unsicherheit eine große Barriere für eine Branche wie die der Mode ist. Bekleidungsunternehmen haben Bedenken, dass die Investition in nachhaltige Alternativen zu hohe Risiken und Kosten nach sich zieht. Sie suchen nach Sicherheiten, dass die Investitionen in Personal und Produktion sich nicht als Fehlschlag erweisen, und die Nachfrage nach "moralisch vertretbaren Waren" seitens der Käufer steigen wird.2

Die gute Nachricht ist, dass die Branche seit Jahren ihre Bereitschaft für Veränderungen signalisiert. Die am 28. Februar in Paris eröffnete World Fashion Week, spielt nach eigenen Angaben eine wichtige Rolle bei der Gestaltung einer so genannten ""nachhaltigen Modezukunft". Doch um mit dem explosiven Wachstum, insbesondere in der Konfektions-Bekleidungsindustrie, schrittzuhalten, müssen sich Fabriken und Marken schneller und in größerem Umfang beteiligen.

Open Source

Als ehemaliger Mitarbeiterin eines großen Modeunternehmens glaubt María Almazán, dass Intrapreneure - Menschen, die eine Reform aus den Organisationen heraus fördern möchten - wichtig für den Wandel sind. "Sie sind die Changemaker in jeder Organisation", sagt sie. "Sie wollen damit nicht reich werden, sondern die Branche verändern. Sie präsentieren ihren Kollegen Ideen, die zunächst seltsam klingen, doch sie benötigen Hilfsmittel und Belege, um zu demonstrieren, wie sie umgesetzt werden können."

Almazán erkannte, dass es in de Realität keine Beispiele für nachhaltige Fabriken gab und baute in Spanien ihre eigene auf: Latitude. Sämtliche Bereiche des Unternehmens sind auf seine ethischen Werte ausgerichtet, vom Umgang mit den Arbeitnehmern bis hin zur Rohmaterialbeschaffung. Noch wichtiger jedoch ist, dass die gesamte Fabrik frei zugänglich ist und als reales, profitables Beispiel für andere Marken und Fabriken dient, wenn sie ihre eigenen nachhaltigen Verfahrensweisen entwickeln und implementieren.

Angesichts der Vertraulichkeitsanforderungen, die viele ethische Marken daran hindern, ihre Geschäftspraktiken offenzulegen, wandelte Almazán Latitude in ein gemeinnütziges Unternehmen um. Der nächste Schritt ist es, skeptische Mitbewerber davon zu überzeugen, dass Latitude wirklich transparent und bereit ist, seine bewährten Verfahrensweisen zum Nutzen der gesamten Branche frei zugänglich zu machen. Almazán: "Am nächsten Tag hatte ich eine Besprechung mit einigen Personen aus Frankreich. Ich lud sie ein herzukommen, sie durch das Unternehmen zu führen und unser Know-how mit ihnen zu teilen. Sie haben nicht geglaubt, dass wir das tatsächlich in die Tat umsetzen würden!"

Langfristiges Denken

In Bangladesch überzeugt der soziale Multiunternehmer Saif Rashid Fabrikeigentümer davon, dass die Sorge um das Wohlergehen der Mitarbeiter auf mehr als nur eine Weise förderlich für ihr Unternehmen ist. Seine dem Wohl der Mitarbeiter gewidmete Initiative APON bietet Mitarbeitern die Möglichkeit, in speziellen Geschäften innerhalb der Fabriken Haushaltsvorräte zu vergünstigten Preisen einzukaufen, wodurch zusätzlich eine kostenlose Gesundheitsversorgung und Krankenversicherung finanziert werden kann.

Die Vorteile der APON-Initiative kommen zwar direkt den Mitarbeitern zugute, doch die Fabrik spart indirekte Kosten durch eine geringere Fluktuation und weniger krankheitsbedingte Ausfälle. Von entscheidender Bedeutung ist, dass diese Vorgehensweise ebenfalls in Einklang mit der nationalen Gesetzgebung steht, welche eine Krankenversicherung für die MItarbeiter vorschreibt. Eine Forderung, die auch internationale Einkäufer zunehmend äußern. Die Schwierigkeit ist laut Rashid, dass die meisten Fabrikeigentümer es nicht gewohnt sind, einen langfristigen Nutzen zu berechnen. "Sie denken nicht darüber nach, was sie investieren und was sie damit erwirtschaften. Der Wettbewerb in Bangladesch ist durch niedrige Löhne langfristig nicht effizient für Unternehmen."

Einkäufer könnten, gemeinsam mit begeisterten Arbeitern, dabei helfen, mehr Fabrikeigentümer zu überzeugen, sich APON anzuschließen. Die Marken haben während der vergangenen Jahre begonnen, ihre eigenen Pilotprojekte zur Krankenversicherung ins Leben zu rufen und hoffen, dass die Fabriken diese nach einer Anfangsinvestition übernehmen. Solche Systeme sind jedoch kostspielig und brechen zusammen, wenn sich der Einkäufer zurückzieht. Mit APON entstehen dem Käufer keine Kosten, da das System durch eine Verkaufsprovision der Haushaltsartikel in den Fabrikgeschäften finanziert wird. Laut Rashid sind die Marken, mit denen er bisher zusammenarbeitet, "sehr interessiert" an diesem Modell.

Auch Fabriken beginnen, sich dem System anzuschließen, im Juni waren es insgesamt neun, und weitere Interessenten befinden sich auf einer Warteliste. Rashid sagt: "Wir arbeiten an der Logistik für eine Ausweitung: Wenn 1.000 Arbeiter gleichzeitig ihre Schicht beenden, haben wir nicht die Kapazitäten, sie alle in den Geschäften zu bedienen. Daher testen wir ein Versandhandelsmodell. Und in manchen Fabriken arbeiten bis zu 25.000 Mitarbeiter. Sobald wir jedoch unser angestrebtes Ziel von 1.000 Mitarbeitern in einer Fabrik erreicht haben, können wir das Modell überall nachhaltig abbilden."

Dieser Artikel ist Bestandteil der Initiative Fabric of Change - einer dreijährigen Partnerschaft zwischen Ashoka und der C&A Foundation zur Freisetzung des einzigartigen Potenzials sozialer Unternehmer und ihrer Lösungen, um die Bekleidungsindustrie zu einer Kraft des Guten zu machen. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.changemakers.com/fabricofchange oder beteiligen Sie sich online unter #FabricofChange an dem Dialog.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf der Ashoka's Forbes Page veröffentlicht.

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