Könnten wir dem Ende der Kinderarbeit einen Schritt näher sein?

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Seit Jahren arbeiten Marken und Händler mit der unbequemen Wahrheit, dass ihre Lieferketten nicht so "sauber" sind, wie sie es sich wünschen. Kinderarbeit ist noch immer ein Problem im Bekleidungssektor, besonders an der Basis der Lieferkette und in Verbindung mit Heimarbeit - das Problem zu bekämpfen, stellt bisher eine enorme Herausforderung dar. 

Das lokale Auslagerung an Subunternehmer und anschließend an Heimarbeiter verschleiert, wo die Kleidung hergestellt wird - und von wem. Und einige Händler konnten bisher nicht hinter die Kulissen ihrer direkten Lieferanten blicken.

GoodWeave hat die Kinderarbeit in der Teppichindustrie in Indien, Nepal und Afghanistan während der vergangenen 20 Jahre erfolgreich bekämpft. Durch einen unternehmerfreundlichen und gemeinschaftsbasierten Ansatz konnten ehemals undurchsichtige Lieferketten aufgedeckt und tausende von Kindern gerettet werden. Für Verbraucher wurde die Marke GoodWeave zu einem Symbol für einen ethisch vertretbaren und verantwortungsbewussten Teppich.

Nun bringt die Organisation diese Expertise mit ihrem Programm Sourcing Freedom in fünf neue Sektoren ein, das beim World Economic Forum in Davos dieses Jahr vorgestellt wurde. Das Programm wird von der1 Skoll Foundation, Humanity United, C&A, Target and The Walt Disney Company, sowie der C&A Foundation unterstützt.

Nina Smith, CEO von GoodWeave, sagt, es ist an der Zeit, weitere Schritte zu unternehmen “Das regulatorische Umfeld hat sich wirklich verändert, mit zahlreichen neuen Gesetzen weltweit. Wir beobachten, wie Unternehmen mehr Verantwortung für ihre gesamte Lieferkette übernehmen. Darüber hinaus gibt es nun das UN Sustainable Development Goal, um Kinderarbeit bis 2025 zu beenden. Der perfekte Moment zur Expansion für uns."


“In einem einzigen Dorf leben nicht weniger als 1.000 Kinder. Jede Familie hat durchschnittlich fünf oder sechs Kinder, daher können wir die Kinder nicht einfach aus diesem Szenario herausnehmen. In einem ersten Schritt müssen wir zunächst den Schaden minimieren.”

Programme Manager, Gender Justice & Human Rights C&A Foundation Anindit Roy Chowdury

Pilotprojekt Uttar Pradesh

Im Bekleidungssektor betreiben GoodWeave, die C&A Foundation und C&A seit sechs Monaten ein insgesamt zweijähriges Pilotprojekt, das sich auf die Region Uttar Pradesh in Indien konzentriert.

Es ist ein Mammutprojekt, erklärt Anindit Roy Chowdhury, Programm-Manager für Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte bei der C&A Foundation: "Das GoodWeave-Modell begeistert uns, weil es gegenwärtig im Bekleidungssektor nichts Vergleichbares gibt.

"GoodWeave hat es geschafft, in der Teppich-Lieferkette vollständige Transparenz herzustellen, und wir möchten prüfen, ob wir diesen Erfolg auch auf den Bekleidungssektor übertragen können."

Das Pilotprojekt konzentriert sich auf Heimarbeiter, die komplexe Stickereien und abschließende Handarbeiten ausführen. In diesen Familien können Kinder im Alter von acht oder neun Jahren täglich mehrere Stunden an Bestellungen arbeiten, während sie keine Möglichkeit zum Schulbesuch haben und in einigen Fällen Haltungsschäden oder Augenprobleme davontragen.

Es ist eine komplexe und heikle Situation, erklärt Anindit: "Die Familienmitglieder werden sagen, dass ihre Kinder nicht ausgebeutet werden, sondern schlicht die Familie unterstützen. Sie werden außerdem erklären, dass es die einzige Möglichkeit ist, das Familienhandwerk zu erlernen.

Das GoodWeave-Modell arbeitet mit Familien, Gemeinden und Subunternehmern zusammen, um das Problem aus allen Winkeln zu betrachten, doch das Ausmaß des Problems erfordert ebenfalls einen pragmatischen Ansatz.

"In einem einzigen Dorf leben nicht weniger als 1.000 Kinder. Jede Familie hat durchschnittlich fünf oder sechs Kinder, daher können wir die Kinder nicht einfach aus diesem Szenario herausnehmen. In einem ersten Schritt müssen wir zunächst den Schaden minimieren", sagt Anindit.

Nach sechs Monaten Pilotprojekt hat GoodWeave mit finanzieller Unterstützung der C&A Foundation eine Reihe von Überbrückungsschulen eingerichtet. Mit diesen Schulen wird sichergestellt, dass die Kinder adäquate Unterstützung und ergänzende Bildungsmöglichkeiten erhalten, damit ihre Schulbildung nicht beeinträchtigt wird. Darüber hinaus sprechen die Mitarbeiter mit den Familien, um sicherzustellen, dass falls die Kinder arbeiten, dies nicht länger als zwei oder drei Stunden täglich der Fall ist.

Das Vertrauen ist eine weitere große Hürde: "Wir möchten den Wandel intensivieren, indem wir den Subunternehmern sagen, dass wir ihnen helfen, mehr Aufträge zu bekommen, wenn sie ihre Praktiken verbessern. Subunternehmer, die nachweisen können, dass sie keinerlei Kinderarbeit einsetzen, erhalten ein GoodWeave-Zertifikat. In einem extrem wettbewerbsorientierten Markt wie Indien kann sich diese Art der Empfehlung sehr förderlich auf das Geschäft auswirken", sagt Nina..

Darüber hinaus arbeitet GoodWeave mit C&A zusammen, um dessen Lieferkette in der Region zu kartieren, und andere Händler haben bereits ebenfalls ihr Interesse bekundet.

"Diese Kartierung ist eine große Herausforderung", sagt Anindit. "Wenn wir uns nur drei der Exporteure ansehen, mit denen C&A arbeitet, können diese wiederum mit bis zu 15.000 Haushalten zusammenarbeiten.

"Es ist eine neues Modell, und das bedeutet, dass seine Implementierung Zeit benötigt. Doch GoodWeave hat die Bereiche, die am hilfsbedürftigsten sind und die von Nichtregierungsorganisationen und Regierung vernachlässigt werden, ausgewählt. Sie hätten einfachere Bereiche für dieses Pilotprojekt auswählen können, haben es aber nicht getan, was sehr lobenswert ist."

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