Migranten müssen ihrem Traum folgen

Soledad Requena de Spyer war 21 Jahre alt, als sie ihre Heimat Peru verließ, um sich in Brasilien ein neues Leben aufzubauen. Sie lernte einen brasilianischen Mann kennen, heiratete und zog nach Mina Gerais, wo sie ihr erstes Kind zur Welt bracht, bevor sie ihren Abschluss in Sozialarbeit am Triangulo Integreted College der Uberlândia Federal University machte.

In den späten 1980er Jahren war Soledad in Minas Gerais eine Migrantin, eine junge Mutter und Studentin. Auf der Straße wurde sie gefragt, ob sie das Kindermädchen des Kindes sei. In den Geschäften frage man sie, ob sie Japanerin sei. An ihrer eigenen Haustür wurde sie gefragt, ob sie das Hausmädchen sei und ob sie aus der verarmten Nordeste-Region stammt.

Mit ruhiger Stimme und viel Geduld erklärte sie, dass sie Migrantin und die Mutter des Kindes war, und das dies ihr eigenes Zuhause sei. Sie hatte das Gefühl, in der Gemeinde, in der sie lebte, nicht akzeptiert zu werden. Und häufig nicht einmal von den anderen Studenten oder Professoren, obwohl sie eine der Besten war. Sie machte ihren Abschluss, gebar ein weiteres Kind, trennte sich von ihrem Ehemann und schloss ihren Master-Studiengang ab. Doch viele Jahre lang, blieb sie das Kindermädchen, das Hausmädchen, die Japanerin, das Mädchen aus Nordeste. Sie wurde als Außenseiterin angesehen, nur wenige Menschen kannten ihre Geschichte oder wollten sie hören. So lebte sie viele Jahre lang.

Meine Aufgabe ist es, die Rechte von Migrantinnen zu verteidigen, die im Nähereisektor arbeiten.”
Soledad Requena - CAMI-Sozialarbeiterin

Im Laufe der Zeit überwand sie als Migrantin Diskriminierung und Angst. Sie ließ sich von ihren Rückschlägen nicht entmutigen. Mit bewundernswerter Hingabe schrieb sie ihre eigene Erfolgsgeschichte.

Heute im Alter von 60 Jahren, mit derselben ruhigen Stimme und derselben Geduld wie als Studentin, widmet Soledad ihr Leben der Unterstützung von Arbeitern mit Migrationshintergrund.  Sie koordiniert für die NGO CAMI (Center for Migrant Support and Pastoral Care) Diskussionsrunden für Mitarbeiter der Bekleidungsindustrie.

Mit der Ruhe ihrer Vergangenheit als Migrantin widmet sie sich heute der Mission, die sie als Lebensweg gewählt hat: “Meine Aufgabe ist es, die Rechte von Migrantinnen zu verteidigen, die im Nähereisektor arbeiten.”

Sie besucht Workshops für Portugiesisch, sowie zu den Themen Schneiderei, Näherei und Unternehmensführung. “Durch den Zugang zu Informationen über ihre Rechte, das Erlernen der portugiesischen Sprache und der Unternehmensführung gehen sie ihre ersten Schritte auf dem Weg zur Bekämpfung der Sklavenarbeit, häuslicher Gewalt und Ausbeutungspraktiken”, erklärt Soledad.  “Durch die Gespräche finden die Frauen die Stärke, die sie benötigen, um sich ihren Herausforderungen zu stellen.”

Soledad glaubt, dass die Suche nach kollektiven Lösungen, kollektiver Befähigung und die zugrunde liegenden Lernprozesse bereits Hunderten von Frauen Zugang zu neuen Möglichkeiten für den Aufbau eines neuen Lebens geboten hat. “Viele von ihnen waren extrem gefährdet, zum Beispiel durch Sklavenarbeit, und heute leiten sie ihre eigenen Betriebe. Wir sind auf dem richtigen Weg.”


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