Neugestaltung der Modekette

Während des einwöchigen Copenhagen Fashion Summit, der weltweit größten Veranstaltung für nachhaltige Mode, sprach Instituto C&A (C&A Foundation in Brasilien) mit Luísa Santiago, der brasilianischen Vertreterin der Ellen MacArthur Foundation, über das Konzept der Kreislaufwirtschaft.

In dieser Woche fand der Copenhagen Fashion Summit statt. Es ist die größte Veranstaltung für nachhaltige Mode der Welt und Begegnungsplattform für Entscheidungsträger, Nichtregierungsorganisationen, Forscher und den akademischen Sektor. In diesem Jahr war der Fokus der von der C&A Foundation (Mutterorganisation des Instituto C&A) unterstützten Veranstaltung auf die Kreislaufwirtschaft gerichtet. Um das Konzept besser zu verstehen, sprachen wir mit Luísa Santiago, Vertreterin der Ellen MacArthur Foundation in Brasilien, die ebenfalls am Copenhagen Fashion Summit teilgenommen hat.

Gegründet 2010, sucht die Ellen MacArthur Foundation weltweit nach Unternehmen, die bereit sind, ihr Geschäftsmodell mithilfe einer Kreislaufwirtschaft zu verändern.

Das Interview mit Santiago wurde nach den Diálogos Transformadores (Transformational Dialogues)geführt, einer Veranstaltung der führenden brasilianischen Zeitung Folha de São Paulo und Ashoka, die von Instituto C&A unterstützt wurde.

“Die Mode-Wertschöpfungskette wurde, wie alle unsere Produktions- und Konsumsysteme, sehr linear und basierend auf hohen Verlusten konzipiert - sie ist der zweitgrößte Abfallerzeuger der Welt. Allein diese Tatsache zeigt uns das große Potenzial, Verluste in Möglichkeiten zu verwandeln.”

Brasilianische Vertreterin der Ellen MacArthur Foundation Luísa Santiago

Instituto C&A: Was ist Kreislaufwirtschaft??

Luísa Santiago: Es handelt sich um ein Wirtschaftsmodell, das konzeptionell auf Wiederverwertung und Wiederherstellung abzielt. Dies bedeutet, dass Abfall und negative Auswirkungen von Beginn an vermieden werden. Die Kreislaufwirtschaft wird von drei grundlegenden Prinzipien gestützt:

1. Erhaltung und Stärkung natürlichen Kapitals [Rohmaterial] statt Degeneration wie in einer linearen Wirtschaft (Produzieren, Verwenden, Entsorgen);

2. Optimierung der Ressourcennutzung: In unserem gegenwärtigen Modell aus Abbau, Verarbeitung und Entsorgung entstehen hohe Verluste. Wir verlieren Restmengen und Möglichkeiten bleiben ungenutzt.

3. Förderung der Systemeffektivität: In einer Kreislaufwirtschaft geht es nicht um ein grüneres Produkt, ein nachhaltigeres Unternehmen oder bessere Praktiken, und am allerwenigsten darum "nachhaltiger als zuvor zu sein". Es bedeutet, Teil eines Systems zu sein, das besser arbeitet und das langfristig negative externe Effekte aufdeckt und von Beginn an aus der Wertschöpfungskette ausschließt. In unserem Leben und auf unserem Planeten findet eine permanente Regeneration und Wiederherstellung statt. Die Idee ist, dieses Prinzip in die Wirtschaft zu übernehmen.

Instituto C&A: Wie kann die Kreislaufwirtschaft auf die Mode-Wertschöpfungskette angewendet werden??

Luísa Santiago: Die Mode-Wertschöpfungskette wurde, wie alle unsere Produktions- und Konsumsysteme, sehr linear und basierend auf hohen Verlusten konzipiert - sie ist der zweitgrößte Abfallerzeuger der Welt. Allein diese Tatsache zeigt uns das große Potenzial, Verluste in Möglichkeiten zu verwandeln.

Instituto C&A: Und wie wird diese Aufgabe bewältigt?

Luísa Santiago: Die Ellen MacArthur Foundation arbeitet mit einem Netzwerk aus Organisationen zusammen, dem CE1000, und wir haben einen brasilianischen Zweig in diesem Netzwerk. Es ist ein globales Programm, das Organisationen wie C&A, Renner sowie weitere kleinere Unternehmen einschließt, die bereits erste Lösungen entwickelt haben. Eine der Herausforderungen, denen wir begegnen müssen, ist die Umwandlung von Textilabfällen in andere Produkte innerhalb eines langfristig betriebenen Systems, so dass diese neuen Produkte anschließend nicht zu Abfällen werden. Daneben bieten sich weitere großartige Möglichkeiten wie die Produktion regenerativer Rohmaterialien, das Design der Produkte und die Definition von Geschäftsmodellen, die sich auf eine bedarfsgerechte Herstellung statt auf übermäßigen Verbrauch konzentrieren.

Wir arbeiten individuell mit jedem dieser Unternehmen zusammen, doch wir handeln ebenfalls gemeinsam, so dass sie besser funktionierende Modelle erstellen können. Gegenwärtig entwickeln wir unser globales Programm, das sich nun in der Forschungsphase befindet, um die gesamte Modeindustrie zu berücksichtigen. Ich würde sagen, im ersten Schritt müssen wir zugeben, dass unser Wissen begrenzt ist, doch wir haben bereits einige Informationen zusammengetragen, insbesondere in Brasilien. Nachdem die Forschungen abgeschlossen sind, was noch im Laufe des Jahres 2017 der Fall sein wird, werden wir mit den beteiligten Organisationen sprechen, um das Modesystem neu zu gestalten. Nicht nur mit einer Marke oder einem Unternehmen, sondern vor dem Hintergrund einer globalen Systemvision.

Instituto C&A: Welchen Vorteil würde eine Kreislaufwirtschaft in der Modeindustrie bieten?

Luísa Santiago: Es gibt viele Vorteile. Der erste gilt für jeden Materialtyp und jeden Bereich: Es geht darum, zu zeigen, dass die Erzeugung einer wirtschaftlichen Wertschöpfung nicht mit dem Abbau und den begrenzten Ressourcen des Planeten verbunden ist. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass Mode beeinflusst und inspiriert, und sogar einen Weg für weitaus größere Veränderungen ebnen kann. Mode besitzt die Fähigkeit, Konzepte neu zu gestalten, die weit über die bloße Nutzung eines Kleidungsstücks hinausgehen.

Wir reden über eine Neugestaltung des gesamten Systems, nicht nur für den Hersteller von Baumwollfasern, die Näherei, die Näherin, den Einzelhändler oder den Konsumenten. Diese Interessenvertreter allein werden nicht in der Lage sein, eine gesamte Kette umzugestalten, aber gemeinsam können sie die Bedeutung von Erfolg, Wertschöpfung und Nutzen der heute in der Modeindustrie hergestellten Produkte neu definieren. Und wir erwarten zahlreiche Innovationen, die als Basis für den Wandel der Modeindustrie zu einer Kreislaufwirtschaft dienen.

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Bildnachweis: Eduardo Anizelli/Folhapress – Folha de São Paulo